Fenion analysiert: Gleicher Index, unterschiedliche ESG-Wirklichkeit im EET
ETFs, die denselben Index abbilden, gelten im Markt häufig als nahezu austauschbar – im European ESG Template (EET) zeigt sich jedoch oft ein anderes Bild: Trotz identer Portfoliobestände und annähernd gleicher Stichtagen, können ESG- und Klimakennzahlen je nach ETF-Anbieter spürbar voneinander abweichen.
Die Analyse von Fenion bestätigt das klar – sowohl für die untersuchten MSCI-World-ETFs als auch für die Euro-Stoxx-50-ETFs.
So lagen etwa bei den MSCI World ETFs die EET-Kennzahlen 30260 (Carbon Footprint) oder 30340 (GHG-Intensität) zwischen den ETF-Anbietern teils um ein Vielfaches auseinander – bei identem Indexbestand.
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Euro Stoxx 50 ETFs: Normierte Kennzahlen wie 30340 (GHG-Intensität) oder 30940 (Hazardous Waste Ratio) liegen zwischen den Anbietern teilweise deutlich auseinander. Gerade weil diese Indikatoren nicht vom Fondsvolumen abhängen, machen sie methodische Differenzen sichtbar – etwa bei Datenquellen, Definitionen, Scope-Abgrenzungen oder Imputationsregeln für fehlende Daten.
Die Ursache liegt also nicht in den Portfoliobeständen selbst, sondern in den Daten- und Modellierungsansätzen dahinter:
Unterschiedliche ESG-Datenquellen und Provider, variierende Schätzmodelle sowie verschiedene Regeln im Umgang mit fehlenden Daten führen zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen. Des Weiteren spiegeln die Diskrepanzen wider, wie breit Definitionen im Nachhaltigkeitsbereich (z. B. fossile Aktivitäten, gefährliche Abfälle etc.) gefasst werden und wie gut/mangelhaft die Datenabdeckung ist, was durch deutlich hohe Unterschiede in den Coverage-Kennzahlen belegt wird. Teilweise weisen ETF-Anbieter bei einzelnen EET-Parametern extrem niedrige Coverage-Werte (<1%) aus, was auf eine fast nullprozentige Datenabdeckung hindeutet.
Wer EET-Daten ungeprüft vergleicht, riskiert falsche Schlüsse in Beratung, Reporting und Produktauswahl.
Für belastbare Aussagen und Entscheidungen braucht es daher systematische Qualitätschecks auf EET-Ebene – von einer einheitlichen Einordnung (z. B. Intensitäten vs. absolute Werte), über Cross-Provider-Vergleiche und Validierung signifikanter Abweichungen bis hin zur korrekten Interpretation von Coverage-Kennzahlen sowie Mapping- und Skalierungsprüfungen der Datenfeldlogik.
Diese Ergebnisse werden künftig noch wichtiger:
Mit der Überarbeitung der SFDR („SFDR 2.0“) führt die EU klarere Produktkategorien, verbindliche Mindeststandards und ein verschlanktes, aber präziseres Offenlegungssystem ein. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an die Datenqualität deutlich – insbesondere bei der Konsistenz zwischen EET, Produktkategorie und tatsächlicher ESG-Methodik. Anbieter müssen künftig noch genauer belegen können, wie ihre Nachhaltigkeitskennzahlen zustande kommen, und Unterschiede in Datenquellen, Coverage und Modellierung transparent erklären. Für den Markt bedeutet das: Die Zeit der oberflächlichen Vergleiche ist vorbei – EET-Daten müssen künftig fachlich sauber eingeordnet und methodisch geprüft werden.
EET ist ein leistungsfähiger Standard – doch ohne hohe Datenqualität und methodische Transparenz wird vermeintliche Vergleichbarkeit in der praktischen Anwendung schnell missverständlich und nur eingeschränkt aussagekräftig. Genau hier setzt Fenion an.