KVG/SCD-Schnittstelle: Was Version 6.0 ab 2027 bringt
Die KVG/SCD-Fondsdatenschnittstelle geht in Version 6.0. Ab Januar 2027 steht das neue Format produktiv zur Verfügung, die Migration soll bis zum April-Lieferdatum 2027 abgeschlossen sein. Vier Themen prägen das Release – und für drei davon müssen KVGen ihre Datenaufbereitung anfassen.
Immobilien werden ESG-fähig
Die auffälligste Neuerung betrifft die Instrumentkategorie Immobilien (SNST/270): Zehn neue Felder kommen hinzu. Drei davon sind Adressangaben (Ort, Straße, Hausnummer), sieben decken ESG- und Nachhaltigkeitskennzahlen ab – ESG-Fläche und ESG-Flächentyp, CO2-Emission und CO2-Bemessungsjahr, Energieverbrauchsintensität samt Datenqualitätsindikator sowie das wirtschaftliche Baujahr.
Die ESG-Felder orientieren sich am Datenerfassungsblatt des BVI für das Dachfondsreporting. Wer dort bereits liefert, hat einen Großteil der Arbeit hinter sich. Flankiert wird die Erweiterung durch zwei neue Domänen: ESGFlaecheTyp (ERA, GEA, GIA, RA) legt fest, auf welcher Flächenbasis CO2- und EVI-Werte berechnet werden, DatenqualitaetEVI (A, C, E, N) macht transparent, ob ein EVI-Wert erfasst, aus einem Energieausweis abgeleitet, approximiert oder gar nicht vorhanden ist. Die Domäne „Nutzungsart" wächst um drei Ausprägungen: Gesundheit und Pflege, Studentisches Wohnen und Datenzentren.
Passend dazu wurde das Feld „Postleitzahl" von String(5) auf String(16) erweitert. Die QS-168 prüft künftig nur noch deutsche Postleitzahlen auf das fünfstellige Format – für ausländische Standorte entfällt die bisherige Vorgabe, das Feld leer zu lassen. Internationale Immobilien können ihre PLZ damit erstmals mitliefern.
Neues Branchenfeld: „Partner Branche1 V26"
Hintergrund ist eine Änderung bei WM: Das Feld GD205B, an dem sich die bisherige Branchensystematik orientiert, wird ab Juni 2027 nicht mehr beliefert und durch GV2B1 ersetzt. Ausprägungen und Bedeutung der beiden Felder unterscheiden sich. Das Zielsystem SCD stellt bereits ab Oktober 2026 um.
Für KVGen bedeutet das einen zweistufigen Übergang. Solange Sie noch auf Version 5.x liefern, bleibt alles beim Alten: Sie befüllen „Partner Branche 1" mit den Ausprägungen der Domäne Branche1, die Schnittstelle mappt im Export auf die neue Systematik. Mit dem Wechsel auf 6.0 schwenken Sie vollständig auf „Partner Branche1 V26" und ausschließlich die Werte der Domäne Branche1V26 um. Das alte Feld verliert seine Rolle als primäres Branchenfeld – konsequenterweise wurde sein Relevanzkennzeichen von „w" (Warnung) auf „s" gesenkt, während nun das neue Feld bei fehlender Lieferung eine Warnung auslöst. Betroffen sind Positions- und Adressdaten gleichermaßen.
Wichtig für Zins-Swaps (fix/variabel) und Devisentermingeschäfte: Die QS-172 prüft das neue Branchenfeld über beide Legs auf Übereinstimmung. Weichen die Werte ab, werden beide Legs ausgefiltert.
Fix-to-Float-Anleihen: Erleichterung für EUR und USD
Bisher galt ausnahmslos: Liegt der Zinswechseltermin vor dem Zerlegungsdatum, muss eine Fix-to-Float-Anleihe als INT-Gattung („Sonstiges") geliefert werden. Version 6.0 erweitert die QS-153 um das Feld „Waehrung" und schafft damit eine Ausnahme – Fix-to-Float-Anleihen in EUR und USD dürfen künftig in beiden Zinsphasen als ISIN-Gattung angeliefert werden. Für alle anderen Währungen bleibt es bei der Umstellung auf INT nach dem Zinswechseltermin.
Das ist eine spürbare Vereinfachung, erfordert aber Vorarbeit: Identifizieren Sie Ihre aktiven Fix-to-Float-Bestände, sortieren Sie nach Währung und stellen Sie EUR-/USD-Papiere, die in der variablen Phase bisher als interne Gattung liefen, auf ISIN um.
Zinsfelder und QS-Prüfungen
Mehrere Präzisierungen betreffen die Zinslogik. „Zinslauf ab" und „Erster Kupon am" sind stets als Ursprungsdatum ohne Feiertags- oder Geschäftstagverschiebung zu liefern. Für Instrumente, deren erste Zinsperiode zum Zerlegungsstichtag noch nicht begonnen hat, gibt es eine neue, konsistente Kennzeichnung: „Fixingtermin" entspricht dem ersten Fixingtermin (identisch zu „Zinslauf ab"), „Aktueller Kupon" trägt den Wert „99". Beide Felder korrelieren – der Sonderfall gilt immer für beide.
Die QS-130 wurde entsprechend überarbeitet und stellt nun auf das Verhältnis zum Zerlegungsdatum ab; die bisherige QS-134 ist darin aufgegangen und wurde aufgehoben. Neu hinzu kommt die QS-188: „Erster Kupon am" muss echt größer als „Zinslauf ab" und kleiner oder gleich der Fälligkeit sein – andernfalls Fehlerart „FEHLER".
Ergänzend wurde das Feld „Aktueller Kupon" für sieben Kategorien von Floating Rate Notes (u. a. FLRN/270, FNSC/200, FNMC/180, SNST/190, ULRE/170, ULRE/180, ULRE/200) von „s" auf Pflichtfeld „X" hochgestuft. Die Beschreibung der außerbilanziellen Position wurde um ein zweites Beispiel für Futures geschärft, und die Spalte „Art des anzuliefernden Partners" schafft nun Klarheit, welcher Partnertyp je Instrumentkategorie erwartet wird.
Zeitplan und Empfehlung
Die UAT-Umgebung ist bereits auf v6.0 ausgerollt – Sie können Ihre Daten ab sofort im neuen Format validieren. Ab Januar 2027 folgt die produktive Anlieferung, spätestens zum April-Lieferdatum 2027 (nicht Zerlegungsdatum) soll die Migration stehen.
Unser Rat: Ziehen Sie den Umstieg vor. Der Aufwand liegt weniger in der Technik als in der Datenbeschaffung – insbesondere die ESG-Kennzahlen für Immobilienbestände und die Neuzuordnung der Branchenschlüssel brauchen Vorlauf und Abstimmung mit Datenlieferanten. Wer erst im Frühjahr 2027 beginnt, hat wenig Puffer.